Unternehmen sind darum bemüht, ihre KI-Anwendungen schnell zu skalieren, doch bei den meisten fehlt es noch an klaren Governance-Rahmenbedingungen.

Die dynamische Entwicklung der KI-Technologie scheint Unternehmen zu überfordern. Zum einen ist das Innovationstempo in diesem Bereich so hoch, dass sie nur mühsam damit Schritt halten können; zum anderen wird bei den frühen KI-Anwendern jetzt in vollem Umfang deutlich, welche Anforderungen sie erfüllen müssen, bevor sie KI unternehmensweit implementieren können. Das sind die zwei wichtigsten Erkenntnisse des aktuellen Enterprise AI Maturity Index, einer von ServiceNow gemeinsam mit Oxford Economics durchgeführten Studie, die nun im zweiten Jahr erscheint. Sie basiert auf einer Befragung von 4.500 Unternehmen weltweit, darunter 1.950 aus neun Ländern in Europa und dem Nahen Osten.
Auf der positiven Seite zeigen die Ergebnisse, dass neue Technologien wie agentische KI sehr schnell angenommen und bereits zu messbaren Erfolgen führen. So berichten mehr als die Hälfte der frühen Anwender in Europa von verbesserten Bruttomargen (58 Prozent), höherer Effizienz und Produktivität (59 Prozent) sowie von besseren Nutzer- und Kundenerlebnissen (60 Prozent).
Noch Defizite in fünf Bereichen
Dennoch ist der durchschnittliche KI-Reifegrad in der EMEA-Region im Jahresvergleich um zehn Punkte gesunken, von 44 auf nur noch 34 von 100 Punkten. Auch Deutschland weist exakt den gleichen Rückgang auf. Die Gründe dafür sind laut Studie Defizite in fünf zentralen Bereichen: Führung und Strategie, Arbeitsabläufe, Fachkräfte, Governance und Investitionen.
Bei der Führung fehlt laut Studie oft eine klare Vision über den Entwicklungskurs und die Ziele. Workflows wiederum sind häufig durch Silos gehemmt und es mangelt an der Integration ganzheitlicher KI-gestützter Plattformen. Bei den Fachkräften bestehen Kompetenzlücken, da nur wenige Unternehmen gezielt in Umschulungen investieren. Außerdem wird das Thema Governance häufig unzureichend berücksichtigt – es fehlen klare Regeln für Datenschutz, Sicherheit und Ethik. Und obwohl KI-Investitionen oft positive Effekte zeigen, gelingt nur wenigen Organisationen die systematische Wertschöpfung. Zusammen ergeben diese fünf Bereiche ein Bild des KI-Reifegrads und zeigen, wie gut Organisationen auf den erfolgreichen KI-Einsatz im großen Maßstab vorbereitet sind.
KI benötigt eine solide Grundlage
„Organisationen in Europa und dem Nahen Osten gewinnen beim Einsatz von KI an Tempo, doch viele stehen noch am Anfang ihrer Reise“, erklärt Cathy Mauzaize, President EMEA bei ServiceNow. Jetzt sei der richtige Moment, um auf dieser Dynamik aufzubauen. „Um weiter voranzukommen, prüfen Unternehmen, wie sie die richtigen Grundlagen schaffen können, damit ihre Daten effektiv genutzt werden können und ihre Mitarbeitenden die nötigen Fähigkeiten erlangen, KI vertrauensvoll einzusetzen. Laut IDC werden die KI-Ausgaben in Europa bis 2028 auf 144,6 Milliarden US-Dollar steigen. Das Potenzial ist enorm, aber es lässt sich nur ausschöpfen, wenn wir heute die richtige Basis dafür schaffen.“
Der Enterprise AI Maturity Index identifiziert zudem drei zentrale Trends, welche die KI-Entwicklung in der Region maßgeblich prägen, und zeigt auf, was nötig ist, um erste Erfolge in eine langfristige, nachhaltige Transformation zu überführen. Dazu zählen der zunehmende Einsatz agentischer KI, der Aufbau robuster Governance-Strukturen sowie Investitionen in Talententwicklung und eine unternehmensweite Innovationskultur – sie bilden das Fundament für skalierbare, verantwortungsvolle KI-Nutzung.
Wachsendes Interesse an KI-Projekten
Die Innovationsbereitschaft in der EMEA-Region ist klar erkennbar: Fast die Hälfte der Unternehmen (47 Prozent) hat im vergangenen Jahr mehr als 100 KI-Anwendungsfälle umgesetzt. In Deutschland liegt dieser Anteil mit 56 Prozent sogar deutlich über dem regionalen Durchschnitt, was als klares Zeichen für das wachsende Interesse an KI-Projekten im großen Maßstab zu bewerten ist.
Dennoch befinden sich viele Unternehmen weiterhin in den frühen Phasen der Umsetzung. Das zeigt sich auch im aktuellen durchschnittlichen KI-Reifegrad der Region, der nur 34 von 100 Punkten erreicht. Der Fokus liegt vielerorts noch auf dem Testen und Ausweiten von KI-Lösungen. Lediglich 6 Prozent der Unternehmen in der EMEA-Region haben die sogenannte Augmentierungsphase erreicht – die fortgeschrittenste Stufe im Rahmen der Studie. Auch in Deutschland liegt der durchschnittliche Reifegrad bei 34 Punkten, nur 7 Prozent der Unternehmen haben die höchste Stufe erreicht.
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Das Potenzial, um schnell aufzuholen, ist allerdings vorhanden. Auf der Knowledge 2025, der Kunden- und Partnerkonferenz von ServiceNow zum Beispiel, wurde das Potenzial der agentischen KI für die nächste Stufe der Prozessautomatisierung mehr als deutlich. Und Erkenntnisse wie diese kommen bei den Unternehmen schnell an: Trotz der Tatsache, dass diese Technologie noch sehr neu ist und nur jedes fünfte Unternehmen über ein fundiertes Verständnis für sie verfügt, setzen bereits 15 Prozent der Unternehmen in EMEA agentische KI ein und weitere 42 Prozent planen die Einführung innerhalb der nächsten zwölf Monate.
Governance muss neu bestimmt werden
Unternehmen, die KI bereits eingeführt haben, beschäftigen eher die Themen Skalierung und Governance. Die unternehmensweite Einführung von KI-gestützten Prozessen bringt erhebliche Herausforderungen in den Bereichen Cybersicherheit, Datenschutz und Compliance mit sich. Doch beim Thema Governance kommt die EMEA-Region nur langsam voran. Der Anteil der Unternehmen, die im Bereich der Daten-Governance im KI-Kontext deutliche Fortschritte verzeichnen, ist im Jahresvergleich von 45 Prozent auf 42 Prozent gesunken.
Auch bei der Auflösung von Daten- und Betriebssilos zeigt sich ein leichter Rückgang von 43 Prozent auf 42 Prozent. In Deutschland bestätigen lediglich 42 Prozent der Unternehmen, dass sie in Sachen KI-Governance spürbare Fortschritte erzielt haben. Das verdeutlicht, dass ein stärkerer Fokus auf wirksames Risikomanagement und verantwortungsvolle Steuerung von KI unerlässlich ist.
Um den KI-Reifegrad nachhaltig zu steigern, braucht es laut Studie einen strategischen Gesamtansatz: Eine klar definierte, unternehmensweit verankerte KI-Vision sollte mit messbaren Zielen hinterlegt sein. Plattformbasierte Ökosysteme helfen, Silostrukturen aufzubrechen und KI wirksam in Geschäftsprozesse zu integrieren. Gleichzeitig sind gezielte Investitionen in Qualifizierung und interdisziplinäre Teams ebenso essenziell wie verbindliche Governance-Strukturen, die Sicherheit, Ethik und Compliance gewährleisten. Frühe Anwendungsfälle mit erkennbarem wirtschaftlichem Nutzen schaffen zudem das notwendige Vertrauen für eine skalierbare und nachhaltige KI-Nutzung.
Alle Ergebnisse des Enterprise AI Maturity Index finden Sie hier.
