Was genau unterscheidet Unternehmen, die eine gewisse Reife im Umgang mit KI erreicht haben? Eine aktuelle Studie von ServiceNow geht den Arbeitsweisen der KI-Vorreiter auf die Spur.

Was KI-Vorreiter anders machen
KI-Vorreiter entwickeln neue Arbeitsweisen, die von Anfang an auf die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI ausgerichtet sind. (Bild: Shutterstock)

Der Hype um generative KI (GenAI) ebbt langsam ab und an seiner Stelle tritt die Diskussion über den richtigen Ansatz, um das enorme Potenzial dieser Technologie zu erschließen. Denn dass dieses Potenzial tatsächlich existiert, steht inzwischen außer Zweifel. „Jeder Geschäftsablauf in jedem Unternehmen in jeder Branche wird mithilfe von GenAI neu erfunden“, glaubt auch ServiceNow-CEO Bill McDermott. Eine weltweite Umfrage von ServiceNow und Oxford Economics unter 4.470 hochrangigen Business- und IT-Entscheidern gibt ihm recht. Demnach wollen vier von fünf der befragten Unternehmen ihre Ausgaben für KI im nächsten Jahr erhöhen.

Ziel der Umfrage Enterprise AI Maturity Index 2024 war herauszufinden, wie Unternehmen mit dem Thema KI umgehen und was diejenigen Unternehmen unterscheidet, die in der Anwendung von KI so weit fortgeschritten sind, dass sie damit auch messbar positive Ergebnisse erzielen. Dazu wurden die verschiedenen Haltungen, Ansätze und Best Practices der Vorreiter gegenüber KI untersucht und mit dem Durchschnitt verglichen. Es galt herauszufinden, wo die KI-Vorreiter überdurchschnittliche Leistungen erbringen und wie sie diese Ergebnisse erzielen.

Die wesentlichen Unterschiede

Die Unternehmen wurden dabei nach folgenden Kriterien bewertet: Strategie, Arbeitsabläufe, Fachkräfte, Governance und Investitionen. Die Ergebnisse zeigen eindeutig, dass die KI-Reise für die meisten Unternehmen gerade erst begonnen hat. Die durchschnittliche Bewertung in Sachen KI-Reife liegt bei 44, als Vorreiter gelten Unternehmen mit einer Punktzahl ab 50 und das höchste Ergebnis lag bei 71 Punkten. Nur jedes sechste Unternehmen konnte als Vorreiter eingestuft werden. Es ist also noch viel zu früh, um Gewinner und Verlierer auszurufen. 

Doch die augenfälligsten Unterschiede der KI-Vorreiter gegenüber dem Durchschnitt sind bereits jetzt äußerst aussagekräftig. Was sie besonders kennzeichnet ist, dass 

  • ihre Unternehmensführung das Thema KI engagiert vorantreibt (64 % gegenüber durchschnittlich 33 %); 
  • sie eine klare, unternehmensweite Vision zum Thema KI haben (65 % vs. 31 %); 
  • sie die richtige Mischung an Fachkenntnissen und Fähigkeiten innerhalb ihrer Belegschaft vorweisen können (61 % vs. 30%); 
  • sie wissen, wie sie den Erfolg ihrer KI-Projekte messen können (62 % vs. 28 %).

Alles Gute kommt von oben

Genau wie es bei der digitalen Transformation der Fall war, so ist auch die Anwendung von KI im Unternehmen eine Revolution, die von oben kommen muss. „Es gibt keinen Ersatz für eine engagierte Unternehmensleitung“, so die Studienautoren. Die Umfrage zeige, dass eine klare Strategie, die von der obersten Führungsebene vorangetrieben wird, das momentan bezeichnendste Merkmal der KI-Vorreiter ist. Deren Unternehmensführer hätten verstanden, dass die KI-gestützte Unternehmenstransformation keine Aufgabe ist, die eine einzelne Führungskraft oder Abteilung allein bewältigen kann.

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Gut zu führen und die Sache vorantreiben heißt in diesem Fall auch, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu fördern. Die Vorreiter gaben doppelt so häufig als der Durchschnitt an, dass ihre IT- und Cybersecurity-Verantwortlichen sehr stark in die Festlegung der KI-Strategie involviert sind (79% gegenüber durchschnittlich 56%), ebenso wie die Unternehmensleitung (55 % vs. 34 %), die Geschäftsführung (52 % vs. 40 %), die operative Führungsebene (43 % vs. 30 %) und die Rechtsabteilung (42 % vs. 28 %).

Eine gemeinsame Vision

Die meisten KI-Vorreiter kennzeichnet eine klare Zielsetzung oder zumindest eine klare Vorstellung darüber, in welche Richtung die Reise gehen soll. „Die KI-gestützte Business-Transformation kann eine schwierige Reise sein, wenn man keine klare Vorstellung von dem Weg hat, der vor einem liegt“, schreiben die Studienautoren. 

Kosteneinsparungen zu erzielen, darf dabei nicht das alleinige Ziel sein. „Langfristig gesehen kann man sich nicht zum Erfolg schrumpfen“, sagt Mike Bechtel, Chief Futurist bei der Unternehmensberatung Deloitte. „Statt sich auf das Tool zu fixieren, sollte man sich auf das Problem konzentrieren, das man zu lösen versucht, und wenn man es gelöst hat, sollte man die frei gewordene menschliche Kapazität für den strategischen Backlog einsetzen. Genau deswegen ist GenAI auch Raketentreibstoff und keine Radikaldiät.“

KI-Vorreiter verfügen mehr als doppelt so häufig wie ihre Mitbewerber über eine klare, gemeinsame KI-Vision im gesamten Unternehmen. Die starke Führung durch die Unternehmensleitung und die gemeinsame Vision, von der die Vorreiter berichten, tragen wesentlich dazu bei, einen Konsens innerhalb ihrer Unternehmen zu schaffen. Das erklärt auch, warum sie deutlich zuversichtlicher sind (65 % gegenüber 31 % der anderen), dass ihre Fachbereiche in Bezug auf die KI-Strategie mit den anderen Fachbereichen im Unternehmen gut abgestimmt sind.

Den Bereich Arbeit neu denken

Die Transformation der Geschäftsprozesse durch KI und die Einführung von KI-Tools am Arbeitsplatz wird nicht nur Arbeitsabläufe verändern, sondern die Arbeit selbst, darin sind sich die Experten einig. Auch KI-Vorreiter haben diese Veränderung auf dem Schirm und handeln entsprechend. Ihre erste Aufgabe besteht darin, funktionale Silos abzuschaffen, die Arbeitsabläufe ganzheitlich zu betrachten und bei Bedarf neu zu entwerfen – mithilfe von KI. Dabei ist ihnen bewusst, dass diese KI-gestützten Workflows nur so gut sind wie ihre Daten. Etwa 60 % von ihnen gaben an, dass sie erhebliche Fortschritte beim Aufbrechen von Daten- und Betriebssilos erzielen. Beim Rest sind es nur 41 %.

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Die meisten der für die Studie befragten Unternehmen nutzen KI und Automatisierung, um bestehende Arbeitsabläufe innerhalb einzelner Fachbereiche zu optimieren. Doch die Vorreiter verfolgen mit einer viermal höherer Wahrscheinlichkeit (54 % gegenüber 12 %) einen anderen Ansatz. Sie entwickeln neue Arbeitsweisen, die von Anfang an auf die Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI ausgerichtet sind. Und das hilft ihnen, Effizienzgewinne zu erzielen, mit denen die Nachzügler nur schwer mithalten können.

Immer mehr wird dabei auch deutlich, dass die KI-gestützte Arbeitswelt neue Fähigkeiten von ihren Arbeitenden verlangt. „Die Führungskräfte von morgen müssen Fähigkeiten wie Vorstellungskraft, Kreativität und Neugierde kultivieren“, sagt Mike Bechtel von Deloitte. „Das sind zwar weiche Begriffe, aber ich denke, ihre Schnittmenge ist der Einfallsreichtum, die Fähigkeit, Probleme auf clevere Weise anzugehen. Kognitive Fähigkeiten werden zunehmend von der KI beherrscht. Was bleibt? Die richtigen Fragen zu stellen, Intentionalität sowie die Fähigkeit, menschliche Probleme zu identifizieren, die es wert sind, gelöst zu werden.“

KI-Vorreiter scheinen auch hier auf dem richtigen Weg zu sein, denn ihnen ist bewusst, dass sie ihre Mitarbeiter auf die KI-Transformation vorbereiten müssen. Also können sie doppelt so häufig als andere (61 % gegenüber 30 %) angeben, dass ihre Mitarbeiter bereits über die richtige Mischung aus Fähigkeiten und Erfahrung verfügen, um ihre KI-Strategie umzusetzen.

Diese Zuversicht macht es ihnen einfacher, eine Innovationskultur zu fördern und den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, eigenständig Innovationen zu entwickeln. Etwa zwei Drittel von ihnen gaben an, dass sie ihren Teams erlauben, Probleme zu identifizieren und eigenständig KI-Lösungen zu empfehlen (68 %) sowie Entscheidungen über KI-Lösungen zu treffen, die den Geschäftsanforderungen ihrer Fachbereiche entsprechen (66 %). Außerdem verfügen fast zwei Drittel von ihnen (62 %) über eine Reihe von Kennzahlen, um die Auswirkungen und den Erfolg ihrer KI-Transformationsbemühungen zu messen. Das ist bei nur 28 % der anderen Unternehmen der Fall.

Alle Ergebnisse des Enterprise AI Maturity Index 2024 finden Sie hier.

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